Produktionsstandort setzt mit ausgeklügeltem Werkzeugsystem neue Maßstäbe

Mit einer neuen Fertigungslinie im Ökopark Hartberg stellt Kapo Fenster und Türen seinen Betrieb technologisch neu auf. Ein zentraler Erfolgsfaktor des Projekts ist das umfangreiche Werkzeugkonzept von Leitz.

Es ermöglicht die industrielle Fertigung von Sonderbauteilen samt Glasleisten und ähnlich kleinen Komponenten und hebt damit den Branchenstandard auf ein neues Niveau.

Vor 99 Jahren legte Karl Polzhofer mit einer kleinen Tischlerei im oststeirischen Pollautal den Grundstein für Kapo Fenster und Türen. Aus dem damaligen Einzelunternehmen entwickelte sich ein moderner Industriebetrieb.

Sein Urenkel Stefan Polzhofer beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter und realisiert derzeit die größte Investition der Unternehmensgeschichte. Im Ökopark Hartberg steht eine komplett neue Fenster- und Türenproduktion kurz vor der Fertigstellung. In den Hallen läuft die Produktion bereits seit Jahresbeginn, während außen noch die Fassaden fertiggestellt werden. „Unser alter Standort in Pollau war in vielerlei Hinsicht nicht mehr zeitgemäß. Zudem waren wir dort nur eingemietet. Daher begannen wir mit der Suche nach einem neuen Standort“, berichtet Kapo-Geschäftsführer Stefan Polzhofer. Fündig wurde das Unternehmen im nahegelegenen Hartberg. Dort standen Gewerbeflächen auf einer ehemaligen Baureststoff-Massendeponie zur Verfügung. „Der Gedanke, in ein Unternehmensnetzwerk eingebunden zu sein und gleichzeitig keinen zusätzlichen Boden zu versiegeln, gefiel uns von Anfang an“, begründet Polzhofer die Standortentscheidung. Kapo verfolgt einen konsequent ökologischen Ansatz, der mitunter auch Mehrkosten verursacht. Für die Aufbereitung des 1,3 ha großen Grundstücks mit 500 Tiefenbohrungen sowie das Aufspüren darunterliegender Spulleitungen nahm das Unternehmen zusätzliche 600.000 € und eine Bauverzögerung von eineinhalb Monaten in Kauf. Als Gesamtprojektleiter fungiert Michael Eckhart von Eckhart Consulting. Der Fensterspezialist begleitete bereits zahlreiche Green- und Brownfieldprojekte in Österreich und darüber hinaus. Mit der Erschließung einer Baureststoff Massendeponie betrat aber auch er Neuland.

Effizienz durch neues Fertigungslayout

Ziel war laut Polzhofer, dasselbe Auftragsvolumen wie im alten Werk deutlich effizienter zu produzieren. Der konsequente Aufbau auf der „braunen Wiese“ ermöglichte ein durchgehendes Fertigungslayout mit großen stützenfreien Flächen unter BSH-Fachwerkträgern. Dieses Layout sorgt für einen optimalen Produktionsfluss und senkt die Manipulationskosten um bis zu 40 %. Eine zentrale Rolle spielt auch die enge Zusammenarbeit mit dem Werkzeughersteller Leitz. Grundlage bildet eine langjährige Partnerschaft: Gerhard Gross, technischer Berater bei Leitz, betreut Kapo bereits seit 1992. Der über Jahrzehnte gewachsene Austausch bildete die Basis, um die komplexen Anforderungen der neuen Fertigung gemeinsam mit dem gesamten Leitz-Projektteam umzusetzen.

Wirtschaftliche Losgröße 1

Die technologische Basis bildet eine Weinig-CNC-Anlage. Durch das Engineering-Paket von Leitz kann sie die industrielle Fertigung in Losgröße 1 wirtschaftlich abbilden. Der Weg dorthin führte über eine zweijährige Phase der Produktentwicklung. In dieser Zeit definierte man gemeinsam 25 Fenstersysteme und elf unterschiedliche Bautiefen neu. Die größte Herausforderung lag laut Gross im Datenmanagement. Rund 500 Fensterschnitte sowie mehr als 1000 Profile mussten präzise in Werkzeugkonfigurationen übersetzt werden. „Ziel war es, größtmögliche Flexibilität und eine wirtschaftliche, schnelle Fertigung zu vereinen. Mit intelligentem Werkzeugsplitting und viel Tüftelei ist uns das gelungen.“

Sonderfertigungen vollständig in CNC-Prozess integriert

Trotz des hohen Automatisierungsgrades entschied sich Kapo bewusst gegen eine starr verkettete Produktion. „Der Faktor Mensch bleibt als wichtiges Qualitätsregulativ zwischen den einzelnen Stationen erhalten. So stellen wir sicher, dass nur einwandfreie Werkstücke den Prozess durchlaufen“, betont Polzhofer. Übergroße Elemente, die früher mühsam händisch bewegt wurden, transportiert heute ein modernes Hallenkransystem ergonomisch und sicher durch die Halle.

Das technologische Highlight des neuen Standortes ist die vollständige Integration der Sonderfertigung, die rund 80 % des Gesamtvolumens ausmacht. Was früher in einer separaten Abteilung mit bis zu sieben Mitarbeitern manuell gefertigt wurde, übernimmt heute die CNC-Technik. Das Werkzeugkonzept von Leitz nutzt Highspeed-Technologie und die Marathon- Hochleistungsbeschichtung für Messer, Bohrer und Fraser. Dadurch lassen sich hohe Vorschubgeschwindigkeiten bei maximalen Standzeiten und geringen laufenden Kosten erreichen. „Bei Kapo kommen unsere neuesten Technologien zum Einsatz, erklärt Gross und nennt Riptec, Integraltechnologie und Shrinktec als Beispiele. Riptec reduziert Ausrisse und bietet auch lange Standzeiten bei der Hirnholzbearbeitung. Die Integraltechnologie ermöglicht höhere Vorschübe bei gleichzeitig hoher Qualität. Shrinktec sorgt für eine spielfreie Montage der Einzelfräser durch thermisches Schrumpfen auf den Fräsdornen. Als weiteres Highlight nennt Gross das Messerkopfsystem ProfilCut Q Premium für Schnittgeschwindigkeiten von bis zu 120 m/s.

Präzision bis ins Detail – auch bei Kleinprofilen

Ein Novum in dieser Tiefe ist die vollständige Fertigung von Kleinteilen, wie Glasleisten, Schlagleisten oder Wetterschenkeln, direkt auf der Anlage. „Mittels spezieller Opferholztechnologie entstehen selbst filigrane Profile von 7 mal 7 mm ausrissfrei und passgenau. Dadurch sinkt der Aufwand für manuelle Nacharbeit deutlich“, berichtet Eckhart. Da sämtliche Anbauteile und Sonderkopplungen mit unterschiedlichen Winkeln hochpräzise aus der Maschine kommen, entfällt eine händische Anpassung bei der Montage nahezu vollständig. Die maximale Bauteilabmessung beträgt 330 mal 160 mal 6000 mm. Damit kann Kapo die Anlage neben dem Hauptgeschäft auch für Fassadenelemente und Wintergarten nutzen. Besonders im Bereich der Sanierung und des Denkmalschutzes spielt der neue Standort seine Stärken aus. Die Fertigung schmaler Profile für Kastenstockfenster oder historisierende Elemente gelingt nun deutlich effizienter. Damit bedient Kapo einen wachsenden Markt, während der Neubausektor weiterhin schwächelt.

Langfristige Partnerschaft

Die Investition von rund 10 Mio. €, finanziert unter anderem über eine Unternehmensanleihe sowie erstmals in Österreich über CO₂- Zertifikate der Holzhallen, stärkt die Position des Unternehmens rechtzeitig zum 100-jährigen Jubiläum. Die Zusammenarbeit mit Eckhart, Gross und dem Leitz-Team zeigt, dass langfristige Partnerschaften und präzises Engineering die Grundlage für eine flexible und zukunftssichere Produktion bilden, die handwerkliche Qualität mit industrieller Leistungsfähigkeit verbindet.

 

Hinweis: Dieser Bericht erschien im Holzkurier Nr. 12/2026