Musikalische Glanzleistungen, die in Erinnerung bleiben: Die Jazz Lights 2026 in Oberkochen und auf der Kapfenburg zeigten sich auch in diesem Jahr erneut als facettenreiches Festival, das musikalische Vielfalt mit einer spürbaren Nähe zum Publikum verbindet. Zwischen Nachwuchstalenten und international etablierten Künstlern entstand eine mitreißende Atmosphäre, die viele Abende über das reine Konzerterlebnis hinausgehen ließ. 

 

Beim Auftakt auf Schloss Kapfenburg wurde deutlich, wie lebendig und selbstbewusst sich die junge Jazzszene präsentiert. Das Linus Rebmann Trio stand exemplarisch für diese Entwicklung und überzeugte mit einer Mischung aus technischer Präzision und spürbarer Spielfreude. 

Ihre Eigenkompositionen und neu interpretierten Standards entwickelten schnell eine eigene Dynamik. Zwischen fein ausgearbeiteten melodischen Linien und komplexen rhythmischen Strukturen entstand ein intensives Zusammenspiel. Im zweiten Teil des Abends brachte das Salsa-Ensemble der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart eine neue Energie auf die Bühne. Die Kombination aus treibender Percussion, prägnanten Bläsersätzen und sichtbarer Begeisterung der Musiker übertrug sich unmittelbar auf das Publikum.  

 

Vertrautes neu interpretiert 

In der Hammerschmiede zeigte Siggi Schwarz, wie eindrucksvoll eine musikalische Würdigung sein kann, wenn sie eine eigene Handschrift trägt. Sein Projekt rund um die Musik von Carlos Santana zog über 300 Besucher an und verwandelte die ausverkaufte Halle in Königsbronn in einen lebendigen, mitreißenden Konzertabend. 

Gleich zu Beginn wurde deutlich, dass Siggi Schwarz den Spirit von Santana aufgegriffen und neu interpretiert hat. Gemeinsam mit seiner international besetzten Band verlieh er den bekannten Stücken eine eigene musikalische Handschrift. Klassiker wie „Black Magic Woman“ oder „Oye Como Va“ standen dabei gleichwertig neben späteren Songs – verbunden durch einen offenen Stil, der Latin-Rock, Blues und verschiedene musikalische Einflüsse stimmig zusammenbrachte. Das Zusammenspiel der Band wirkte kraftvoll und übertrug sich direkt auf das Publikum. Kräftige Rhythmen wechselten sich mit ruhigeren, gefühlvollen Passagen ab. Über mehr als zwei Stunden hinweg blieb die Spannung erhalten – getragen von großer Spielfreude und hoher musikalischer Genauigkeit. Am Ende entstand nicht nur eine Würdigung der Originale, sondern eine eigene musikalische Umsetzung, die den Charakter der Stücke bewahrte und gleichzeitig neue Akzente setzte.  

 

Mit Myles Sanko erreichten die Jazz Lights einen emotionalen Höhepunkt. Sein Auftritt war ein intensives Erlebnis, das sich tief im Publikum verankerte. Mit „Let It Unfold“ stellte Sanko Themen wie persönliche Entwicklung und Selbstannahme in den Mittelpunkt. Seine warme unverkennbare Stimme verlieh den Songs eine unmittelbare Nähe, die sich durch den gesamten Abend zog. Besonders eindrucksvoll war die Balance zwischen musikalischer Exzellenz und authentischer Bühnenpräsenz. Die Band agierte als gleichberechtigtes Kollektiv, entwickelte Motive organisch weiter und schuf dynamische Spannungsbögen. Zwischen Soul, Jazz und subtilen Hip-Hop-Einflüssen entstand ein Klangbild, das modern und zugleich zeitlos wirkte. Der Funke sprang schnell über: Das Publikum wurde Teil des Geschehens, klatschte, sang mit und reagierte spürbar auf jede musikalische Nuance. Es entstand ein Miteinander, das den Abend über die Musik hinaus zu einem verbindenden Erlebnis machte. Standing Ovation zum Abschluss zeigten einmal mehr, wie Myles Sanko und seine Band das Publikum begeisterten.  

 

  

Musikalische Botschaften mit nachhaltiger Wirkung 

Den krönenden Abschluss des Festivals machte die stilprägende Künstlerin Joy Denalane in der nahezu ausverkauften Kulturkantine. Ihr gelang es, die besondere Atmosphäre in der Carl-Zeiss-Kulturkantine nochmals neu zu formen. Mit ruhiger Intensität eröffnete sie den Abend und zog das Publikum sofort in ihren Bann. Ihre Stimme erzählte Geschichten – von Identität, Herkunft und persönlichen Erfahrungen. Besonders in den Momenten, in denen sie zwischen kulturellen Einflüssen und Sprachen wechselte, wurde die Tiefe ihres künstlerischen Ausdrucks spürbar. Mit Songs wie „Alles leuchtet“, „Niemand“ und „Mamani“ begeisterte sie das Publikum. Was diesen Abend besonders machte, war die Authentizität. Denalane zeigte sich nahbar, reflektiert und zugleich voller Energie. Ihre Erzählungen über kreative Prozesse und bewusste Veränderungen verliehen dem Konzert eine zusätzliche Dimension. Als der Abend nach zwei Zugaben in gemeinsamen Momenten mit dem Publikum ausklang, blieb ein Eindruck, der nachhaltig wirkt.