Eine Nullfuge gelingt nur dann, wenn der Fügefräser die Randbereiche der Kante sauber fräst. Aber genau dort stumpft so ein Werkzeug zuerst ab. Die Schneiden lassen sich jedoch nicht nachschieben. Schüller Küchen wollte sich damit nicht abfinden.

Die Kante hält Andreas Kutscheriawi an der Frontenstraße beim Küchenmöbelbauer Schüller im Blick. Die Anlage läuft im Dreischichtbetrieb, mit PUR und einem Vorschub von 28 m/min. Auf den ersten Zentimetern kündigen sich leichte Unregelmäßigkeiten an. Die harten Beschichtungen haben die Schneiden im Randbereich abstumpfen lassen. Nun gilt es, noch unbenutzte Abschnitte der PKD-Schneiden in diese Bereiche zu bringen.

Verursacher ist der erste Fügefräser, der die ersten 5 cm auf Endmaß fräst. Zum Schutz der vorderen Werkstückecke läuft dieser im Gegenlauf. Es folgen unten und oben Zerspaner, die das Gros des Materials im Gleichlauf abnehmen, und für das Endformat schließlich noch jeweils ein Fügefräser im Gleichlauf für 16er- und 19er- Fronten.

Andreas Kutscheriawi fährt die Anlage leer, stoppt sie und nimmt die Spanhaube des ersten Fügefräsers ab. Am Werkzeug sind jetzt oben drei mit Inbusschlüssel zu betätigende Schrauben zugänglich. Die beiden inneren lösen und spannen die Hydrobuchse des vertikal zweigeteilten, staubgeschützten Werkzeugs, die dritte lässt beide Hälften pro Umdrehung 1 mm zusammenfahren. Die Nulllinie bleibt auf Höhe der Werkzeugmitte, sodass sich ein Nachstellen der Spindel erübrigt. Der Maschinenführer löst die Spannschrauben, dreht die dritte Schraube um eine Umdrehung nach links, zieht die Spannschrauben wieder an und schraubt die Spanhaube wieder fest.

Bis zum Nachschärfen beim Leitz-Service lässt sich das Werkzeug für sieben Teilstandwege insgesamt sechsmal nachstellen. Die Anlage läuft wieder. Scharfe Schneidenteile bearbeiten jetzt die Randbereiche der Kante und sorgen für tadellose Qualität.

Schüller fertigt seine Fronten selbst

Schüller beschäftigt 1908 Menschen, baut jährlich über 140 000 Küchen, fertigt seine Fronten selbst und hat daher eine besondere Sensibilität für die Kantenqualität entwickelt. An der Front als Aushängeschild der Küche würden die Kunden nämlich auffällige Fugen zwischen Fläche und Kantenband sofort als unangenehm wahrnehmen. Als vor bald zehn Jahren das Thema Nullfuge aufkam, stattete Schüller alle Maschinen mit Fügefräsern aus. Das brachte häufige und zeitaufwendige Werkzeugwechsel mit sich. Allein das Ausrichten der Spindel dauerte jeweils eine halbe Stunde. Qualitätsbestimmend für die Nullfuge sind die Fügefräser. Ihr Standweg ist maßgeblich für die Produktivität der Anlage. Mit herkömmlichen Fügefräsern ließ sich die geforderte Qualität mit den Erwartungen an die Effizienz nicht in Einklang bringen. Daher hat Leitz den breitenverstellbaren Fügefräser entwickelt. Dieser ermöglicht mehrfache Standwege, ohne das Werkzeug wechseln und die Maschinenspindeln wieder zueinander passend einstellen zu müssen.

Inzwischen hat Schüller alle Maschinen nicht nur mit den neuen Fügefräsern ausgestattet, sondern auch mit einem Servicepaket drumherum. Der Leitz-Service schärft und reinigt die Werkzeuge und wartet auch die Hydrobuchse. Wie neu kommt ein Fräser pünktlich zurück an den Einsatzort. Er ist neu vermessen und ohne aufwendige Einstellarbeiten sofort einsatzbereit. Mit Seriennummer und RFID-Chip ist er für den automatischen Datentransfer vorbereitet.

 

»Der breitenverstellbare Fügefräser verhilft uns zu hervorragenden Nullfugen,
und zwar ohne ständige Werkzeugwechsel. Ab und zu stellen wir das Werkzeug kurz nach und lassen es nach rund 90 000 m Standweg vom Leitz-Service schärfen und überholen.«

Max Heller, Geschäftsführer Produktion und Technik

 

»Qualität und Effizienz im Einklang«

Max Heller, Geschäftsführer Produktion und Technik, sagt: »Das Fräsergebnis des Fügefräsers von Leitz ist über den ganzen Standweg hinweg hervorragend. Dieser hat sich von 10 000 auf 90 000 m erhöht. Die Rüst- und damit die Sillstandzeiten sind deutlich zurückgegangen. Qualität und Effizienz sind wieder im Einklang. Auch unsere Mitarbeiter sind zufrieden.«

 

Quelle: "dds" (Ausgabe 11/2020)

 

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